1./2. August 2020 - „das Wunder bricht nicht das Naturgesetz, sondern eröffnet einen neuen Blick“

 

Sie sagten zu ihm:
   Wir haben nur fünf Brote und zwei Fische hier.
Er antwortete:
   Bringt sie mir her!
Dann ordnete er an, die Leute sollten sich ins Gras setzen.
Und er nahm die fünf Brote und die zwei Fische,
blickte zum Himmel auf,
sprach den Lobpreis,
brach die Brote und gab sie den Jüngern;
die Jünger aber gaben sie den Leuten
und alle aßen und wurden satt.
Und sie sammelten die übrig gebliebenen Brotstücke ein,
   zwölf Körbe voll.
Es waren etwa fünftausend Männer, die gegessen hatten,
dazu noch Frauen und Kinder.

 

Bildquelle:
Dr. Paulus Decker | In: Pfarrbriefservice.de

 

 

 

 

Kann Jesus zaubern? Diese Frage hat mich als Kind sehr beschäftigt. Wie sollte er das schließlich geschafft haben so viele Menschen satt gemacht zu haben.

 

Aber auch heute – ein Theologiestudium, viele Jahre, manche Predigt und noch mehr 3.Klass-Stunden später - lässt mich die Erzählung vom Wunder von Brotvermehrung noch immer nicht los.

 

Mehr denn je bin ich überzeugt, dass da ein Wunder stattgefunden hat. Wunder sind wunderbare Momente. Und was Jesus hier gelingt ist wunderbar. Er schafft es die Menschen zu verbinden. Aus einzelnen, die gekommen waren um IHN zu hören, ist eine Gemeinschaft oder besser sind wahrscheinlich viele kleine Gemeinschaften geworden. Es geht also weniger um die Vermehrung von gebackenen Brotfladen, sondern um die Vermehrung des Blicks für den Anderen. Hier wird nicht das Naturgesetz gebrochen, sondern das Gesetz der Nächstenliebe mit Leben gefüllt.

 

Was ist als hier das Wunder? Dass der Sohn Gottes zaubern kann? Oder dass der Wanderprediger Jesus aus Nazareth die Menschen zum Teilen und zum Hinschauen bringt?

 

Solche Wunder brauchen wir. Unsere Welt braucht einen neuen Blick auf die Anderen. Viel zu oft schreien wir nach dem „starken Mann“ oder „dem Staat“, der das jetzt alles bitte richtet. Wir erhoffen das „große Wunder“. Jesu zeigt uns: In uns ist so viel angelegt, was es braucht, damit die Vermehrung der Liebe, der Mitmenschlichkeit, des Miteianders und auch der Sättigung angeht.

 

Lassen wir uns doch von Jesus ins Gras setzen – und blicken mal um uns, wer da sitzt und was der braucht. Dann wagen wir einen Blick in die eigenen Taschen und was darin ist, was wir teilen können, damit wir alle satt werden können. Jesus haben wir dabei an unserer Seite.

 

 

Konstantin Bischoff

Pastoralreferent im Pfarrverband St. Clemens und St. Vinzenz

 

 

(Foto: Gabriele Riffert, EOM)