11./12. Juli 2020 - Wer Ohren hat, der höre!

„Jesus sprach zu seinen Jüngern in Gleichnissen. Er sagte: Siehe, ein Sämann ging hinaus, um zu säen. Als er säte, fiel ein Teil auf den Weg und die Vögel kamen und fraßen es. Ein anderer Teil fiel auf felsigen Boden, wo es nur wenig Erde gab, und ging sofort auf, weil das Erdreich nicht tief war; als aber die Sonne hochstieg wurde die Saat versengt und verdorrte, weil sie keine Wurzeln hatte. Wieder ein anderer Teil fiel in die Dornen und die Dornen wuchsen und erstickten es. Ein anderer Teil aber fiel auf guten Boden und brachte Frucht, teils hunderfach, teils sechzigfach, teils dreißigfach. Wer Ohren ha, der höre!“


[Mt 13, 1-9]

Bild: Manfred Richter auf Pixabay

„Wer Ohren hat, der höre!“ – Jesus könnte auch sagen: Na, habt ihr zugehört? Jetzt ist es euer Gleichnis. Jetzt könnt ihr euch einbringen.

Eine Variation des Gleichnisses könnte lauten:

Ein Sämann ging aufs Feld, um zu säen – ich selbst. Ich als getaufter Christ, als getaufte Christin, ganz gleich, ob verheiratet oder nicht, ob mit Kinder oder ohne, ob mitten im Beruf oder schon in Rente.
Ich bin der Sämann, ich bin die Säfrau.
Ja, ein jeder ist berufen, an seiner Stelle und mit seinen Möglichkeiten, das Wort zu säen, das heißt, den Glauben zu bezeugen in Wort und Tat.
Als ich säte, fiel einiges auf harten Boden, auf Abwehr, Unverständnis und Verbitterung. Anderes traf auf Misstrauen gegenüber der Kirche. Vieles, sehr vieles erstickte unter den Dornen der Geschäftigkeit und Hektik unserer Zeit.
Doch einiges fiel mitten hinein – trotzte der Resignation und Gleichgültigkeit. Es fiel auf guten Boden, auf die Hoffnung nach Geborgenheit und Zuwendung. Auf die Hoffnung nach Frieden und Sinn. Es trug Frucht, es ging auf als Gespür für wiedergeschenkte Lebenskraft, es ging auf als Trost und Hilfe.

Viele meiner Bemühungen, den Glauben weiterzugeben, werden scheitern. Enttäuschungen, dass so wenig ankommt oder willkommen ist, bleiben mir nicht erspart.
Aber manches hat andere erreicht und wirkt weiter, vielleicht ohne, dass ich es gemerkt habe. Das Wenige, was ich ausrichte, das zählt auch. Aus dem Wenigen kann Gott viel machen.

„Wer Ohren hat, der höre!“

Wendelin Lechner

Pfarrer des Pfarrverbandes St. Clemens und St. Vinzenz

(Foto: privat)