12./13. September 2020 - Vergeben?

 

„In jener Zeit trat Petrus zu Jesus und fragte: Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er gegen mich sündigt?
Bis zu siebenmal? Jesus sagte zu ihm: Ich sage dir nicht: Bis zu siebenmal, sondern bis zu siebzigmal siebenmal.
Mit dem Himmelreich ist es deshalb wie mit einem König, der beschloss, von seinen Knechten Rechenschaft zu verlangen. Als er nun mit der Abrechnung begann, brachte man einen zu ihm, der ihm zehntausend Talente schuldig war. Weil er aber das Geld nicht zurückzahlen konnte, befahl der Herr, ihn mit Frau und Kindern und allem, was er besaß, zu verkaufen und so die Schuld zu begleichen.
Da fiel der Knecht vor ihm auf die Knie und bat: Hab Geduld mit mir! Ich werde dir alles zurückzahlen. Der Herr des Knechtes hatte Mitleid, ließ ihn gehen und schenkte ihm die Schuld.
Als nun der Knecht hinausging, traf er einen Mitknecht, der ihm hundert Denare schuldig war. Er packte ihn, würgte ihn und sagte: Bezahl, was du schuldig bist! Da fiel der Mitknecht vor ihm nieder und flehte: Hab Geduld mit mir! Ich werde es dir zurückzahlen. Er aber wollte nicht, sondern ging weg und ließ ihn ins Gefängnis werfen, bis er die Schuld bezahlt habe.
Als die Mitknechte das sahen, waren sie sehr betrübt; sie gingen zu ihrem Herrn und berichteten ihm alles, was geschehen war. Da ließ ihn sein Herr rufen und sagte zu ihm: Du elender Knecht! Deine ganze Schuld habe ich dir erlassen, weil du mich angefleht hast. Hättest nicht auch du mit deinem Mitknecht Erbarmen haben müssen, so wie ich mit dir Erbarmen hatte? Und in seinem Zorn übergab ihn der Herr den Peinigern, bis er die ganze Schuld bezahlt habe. Ebenso wird mein himmlischer Vater euch behandeln, wenn nicht jeder seinem Bruder von Herzen vergibt.“ (Matthäus)

Bild: Martha Gabauer; pfarrbriefservice.de

Vielleicht kennen auch Sie die innere Bitterkeit, wenn Sie von Menschen enttäuscht wurden?
Der eigene Partner hat Sie nicht geachtet, ein Vorgesetzter hat Sie ungerecht behandelt,
ein Mensch im Supermarkt hat Ihre Gesundheit gefährdet?

Natürlich hoffen wir, dass der andere seine Schuld erkennt und um Verzeihung bittet. Doch sollte unsere Vergebungsbereitschaft nicht nur vom anderen abhängen.

„Vergebung heißt nicht das Ja zu einer vergangenen Schuld, wohl aber das Ja zu eine Menschen mit seiner vergangenen Schuld.“ (Otto Hermann Pesch)

Der König – im Evangelium ein Bild für Gott - ist bereit, uns alle Schuld zu erlassen, wenn wir uns ihm, d.h. der Liebe, zuwenden.

Und zu dieser Größe Gottes sind auch wir berufen: Zu vergeben, dass mein Nächster allzu oft anders handelt, als ich es mir wünsche, als ich es für richtig halte.

Was wir zu „vergeben“, im Sinne von zu „verschenken“ haben, ist die grenzenlose Liebe aus der wir gemacht wurden, und die uns immer vergibt.

Eugenia Vesely

Gemeindereferentin im PV St. Clemens und St. Vinzenz

(Foto: privat)