18./19. Juli 2020 - Ein Herz für bunte Vögel

 

 

„In jener Zeit erzählte Jesus der Menge folgendes Gleichnis: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Senfkorn, das ein Mann auf seinen Acker säte. Es ist das kleinste von allen Samenkörnern; sobald es aber hochgewachsen ist, ist es größer als die anderen Gewächse und wird zu einem Baum, sodass die Vögel des Himmels kommen und in seinen Zweigen nisten“ (Mt 13,31f.).

Bild: Peter Weidemann / pfarrbriefservice.de

 

Im Duden nachgeschlagen unter dem Stichwort „Vogel“: Unter 1. finde ich wie erwartet: „Zweibeiniges Wirbeltier mit einem Schnabel, zwei Flügeln und einem mit Federn bedeckten Körper, das im Allgemeinen fliegen kann.“ Da gibt es aber noch ein 2.: Ein „durch seine Art auffallender Mensch“. Wie wir scherzhaft sagen: Er ist schon ein „lustiger, komischer, schräger, seltener Vogel“.

 

Beim Gleichnis Jesu höre ich gerne diese zweite Bedeutung mit. Ich stelle mir vor, dass im Himmelreich all die seltsamen Käuze und verrückten Hühner willkommen sind. Gott hat wohl ein Herz für bunte Vögel. An seinem Lebensbaum darf ich wohnen, auch mit dem Vogel, den ich bisweilen habe.

 

Das wäre eine befreiende Botschaft: Ich muss mich nicht in den Vogelkäfig der Erwartung anderer setzen und nur angepasst leben, nein. Ich darf mir meine Buntheit bewahren, mir hier auch eine gewisse Sorglosigkeit von den Vögeln abschauen. „Sie säen nicht, sie ernten nicht. Euer himmlischer Vater ernährt sie.“ (Mt 6,26). Und dann vielleicht eine Erfahrung machen, die der Dichter Eugen Roth so beschreibt: „Im Staube bleibt Verstand oft liegen, der Glaube aber kann auch fliegen.“ In diesem Sinne: Guten Flug!

 

Ulrich Wandner

Pastoralreferent in St. Theresia

 

 

(Foto: privat)