22./23. August 2020 - „Meinungsumfrage“

 

 

„In jener Zeit, als Jesus in das Gebiet von Cäsaréa Philíppi kam, fragte er seine Jünger und sprach: Für wen halten die Menschen den Menschensohn? Sie sagten: Die einen für Johannes den Täufer, andere für Elíja, wieder andere für Jeremía oder sonst einen Propheten. Da sagte er zu ihnen: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Simon Petrus antwortete und sprach: Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes! Jesus antwortete und sagte zu ihm: Selig bist du, Simon Barjóna; denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel.“ (Mt 16,13-17)

 

Bild: Peter Weidemann / pfarrbriefservice.de

 

 

Jesus konfrontiert seine Jünger, die ihm nun schon eine Weile gefolgt sind, mit der Frage: „Für wen halten mich die Leute, was sagen denn die Leute so über mich?“. Darauf zu antworten fällt den Jüngern noch eher leicht, können sie sich doch hinter die Antworten der anderen verstecken.

 

Nun spitzt Jesus aber seine Frage zu: „Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“. So formuliert trifft einen die Frage ganz anders, persönlich, mitten ins Herz, man kann sich nicht länger hinter Aussagen anderer verstecken, hinter Formeln, Tradition und Lehramt; auf diese Frage kann man nur persönlich, vielleicht um Worte ringend, antworten, aus dem Herzen heraus.

 

In einem Schreib-Gespräch bei einem Jugendwochenende der Katholischen Jungen Gemeinde wurden folgende persönliche Antworten formuliert.

 

 

Jesus ist für mich:

 

  • Jemand, der mein ganzes Leben in Frage stellt - und ihm zugleich Sinn gibt...
  • Eine Faszinierende Persönlichkeit mit einer zeitlosen Botschaft des Friedens, und einer unüberbietbaren Ethik, die bis hin zur Feindesliebe reicht…
  • Ein einfacher charismatischer Wanderprediger...
  • Ein Sozialrevolutionär oder mehr, der leider am Establishment scheiterte und am Kreuz endete...
  • Der freieste und furchtloseste Mensch, der je diese Erde beschritten hat…
  • Der schönste Gedanke Gottes…
  • Ein heilsamer Unruhestifter, ein Aufschrei, ein Stachel im Fleisch, ein permanenter Anstoß, bis endlich Gerechtigkeit und Friede herrschen…
  • Das Gesicht und die Hände Gottes... 
  • Die Liebe Gottes in Person...

Wer aber ist Jesus für mich?

 

Die Antwort, die wir geben, ist nicht unerheblich. Denn sie bestimmt bewusst und unbewusst unser Leben und unser Verhalten. Nicht die theologischen Glaubenssätze, die wir gelernt haben und aufsagen können, sind es, die uns prägen, sondern unser Verhältnis, unsere persönliche Beziehung zu  Christus.

 

„Für wen hältst du mich?“. Diese Frage Jesu will ihre Antwort in meinem Leben finden. Je mehr ich eine Beziehung zu ihm wage, umso mehr erschließt sich mir SEIN Geheimnis. Eine rechte Antwort zu finden, meine Antwort, ist wohl lebenslange Aufgabe.

 

 

Robert Hof

Pfarrer von Herz Jesu

 

 

(Foto: Robert Hof, Pfarrer. ©Text100)