4./5. Juli 2020 - Demut

„In jener Zeit sprach Jesus:
Alles ist mir von meinem Vater übergeben worden […]. Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid! Ich will euch erquicken. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; und ihr werdet Ruhe finden für eure Seele. Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht.“


[Mt 11,27-29]

Bild: Elfriede Klauer In: Pfarrbriefservice.de

Vor ein paar Tagen sagte mir eine Frau, dass ihr in der Corona-Zeit das Wort „Demut“ lieb geworden sei. Demut bedeute für sie nicht, sich kriecherisch klein zu machen. Vielmehr heiße es, die Realität anzuerkennen.
Welche Realitätserfahrung haben wir in den letzten Wochen durch Covid 19 gemacht?
•    Trotz all unserer ärztlichen Kunst bleiben wir verwundbare, sterbliche Wesen.
•    Manche Naturkräfte (hier ein Virus, sonst vielleicht ein Erdbeben oder Sturm) sind stärker als wir und auch mit unserem technischem Wissen können wir uns nur bedingt davor schützen.
•    Unser Wirtschafts- und Gesellschaftssystem ist verletzlich.
Das war auch schon vor Corona so. Aber wir haben diese Erfahrungen an den Rand gedrückt, verdrängt: das Sterben wurde in die Krankenhäuser und Altenheime geschoben; Naturgewalten im Fernsehen als ein Problem anderer Länder präsentiert, der wirtschaftlich starke Sozialstaat als selbstverständlich angenommen.
Diese Illusion ist uns jetzt genommen. Wir erkennen, dass fast alles in unserem Leben geschenkt ist: Gesundheit, ein sicherer Ort zum Leben, die Menschen um uns …
Wer demütig ist, wird dankbar. Wer demütig ist, kann das Seine tun, ohne sich mit überzogenen Ansprüchen an sich selbst zu überfordern.
Jesus wusste, dass er alles von seinem Vater empfangen hatte, dass alles Geschenk war: Von ihm können wir lernen, demütig zu sein, dankbar die Geschenke Gottes anzunehmen. Dann findet unsere verängstigte, gestresste, überforderte Seele Ruhe.

Ulrike Saam

Gemeindereferentin in St. Benno

(Foto: privat)