05./06. September 2020 - Herzensgrund und Weltenrund

 

„In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ (Mt 18,20)

[Mt 18, 20]

Bild: Christian Lück (die-sehleute.de; pfarrbriefservice.de)

 „ … und was ist, wenn ich alleine bin? Ist Jesus da nicht bei mir?“ So fragte mich einmal
eine – allein lebende - Teilnehmerin in einem Bibelgespräch. Sie fühlte sich durch den Satz aus dem heutigen Evangelium provoziert.

„Du aber, wenn du betest, geh in deine Kammer, schließ die Tür zu; dann bete“, so legt es uns Jesus in der Bergpredigt nahe (Mt 6,6). Jesus schätzt dieses Beten im Verborgenen, einzeln,
er hat es immer wieder selbst praktiziert. Die persönliche, ureigene Zeit mit Gott will er uns nicht absprechen. Ganz im Gegenteil: Da will er an unserer Seite sein.

Mit dem fast zum geflügelten Wort gewordenen Zitat will Jesus uns wohl auf etwas anderes hinweisen: Er will uns vor der Gefahr eines ichbezogenen, isolierten Betens bewahren.
Die „zwei oder drei“ um mich herum helfen mir dabei, nicht nur um mich selbst
zu kreisen, auch nicht in meinem Glaubensleben. Der „zwei oder drei“ mag ich so gedenken, auch wenn ich im Gebet alleine bin. Das mag mich aus der Falle der Egozentrik befreien.

In seinem Buch „Morgen - Theologie einer Tageszeit“ schreibt Alex Stock auch über
das Morgengebet. Ein Kapitel betitelt er mit „Herzensgrund und Weltenrund“. Eine Überschrift, die vielleicht auch über unserem Beten stehen könnte: Uns selbst, unser Herz, das, was in ihm da ist, ins Gebet hineinnehmen. Gleichzeitig die „zwei oder drei“, die Welt,
die uns umgibt, nicht außen vor lassen.

Ulrich Wandner

Pastoralreferent in St. Theresia

(Foto: privat)