"Himmelsgruß" - unser wöchentlicher Impuls


In Zeit der Gottesdienstbeschränkungen hatten wir einen wöchentlichen Hausgottesdienst. Auf Grund positiver Rückmeldungen, gibt es jetzt jede Woche Gedanken zu einer Sonntagslesung zum Lesen - vorbereitet von einem*r Neuhauser Seelsorger*in.


8./9.August 2020 -  Auf den eigenen Beinen gehen lernen

 

 

 

Jesus sagte: Komm! Da stieg Petrus aus dem Boot und kam über das Wasser zu Jesus. Als er aber den heftigen Wind bemerkte, bekam er Angst. Und als er begann unterzugehen, schrie er: Herr, rette mich! Jesus streckte sofort die Hand aus, ergriff ihn und sagte zu ihm: Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt? Und als sie ins Boot gestiegen waren, legte sich der Wind. Die Jünger im Boot aber fielen vor Jesus nieder und sagten: Wahrhaftig, Gottes Sohn bist du.

 

(aus Mt 14,22-33)

 

 

Bild: Rudi Berzl
In: Pfarrbriefservice.de

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wenn Sie diese Überschrift für den heutigen Sonntag lesen, dann taucht vor dem geistigen Auge vielleicht dieses Bild auf: ein kleines Kind, das bisher nur auf dem Boden dahinrobben konnte, das nach einiger Zeit lernt, die Knie anzuziehen, sich vielleicht an einem Stuhl hinaufzieht, zum Stehen kommt … und schließlich, ermutigt durch die offenen Arme von Mama oder Papa in nicht allzu weiter Ferne, loslässt und mit tapsigen Schritten losläuft.

 

 

 

Sie denken bei dieser Überschrift sicher weniger an das Evangelium vom heutigen Sonntag, das bei mir seit Kindesbeinen unter der Überschrift abgespeichert ist: „Jesus und der Seesturm“. Und doch meint es genau dieses: dass Jesus uns einlädt - oder auch abverlangt - als Jünger und Jüngerinnen von heute auf eigenen Beinen zu gehen.

 

 

 

Der Seesturm ist nur die Probe auf`s Exempel: denn davor schon müssen wir als an Jesus Christus Glaubende lernen, den eigenen Schritten zu trauen. Jesus hat es damals ja auch seinen Aposteln zugetraut: nach dem Austeilen der Brote an die unzähligen hungrigen Zuhörer schickte er sie allein im Boot hinüber ans andere Ufer, denn er selbst wollte noch beten gehen.

 

Die Jünger auf dem Boot – das ist ein Bild für die frühe Kirche, aber auch ein Bild für

 

unsere Kirche heute. Sie haben Gegenwind und werden von den Wellen hin und her geworfen.

 

 „Habt Vertrauen. Fürchtet euch nicht!“ – Mit diesen Worten beruhigt Jesus die Jünger und er ermutigt den Petrus, über die Wellen hin auf ihn zuzugehen – wie ein Kind bei seinen ersten Schritten in die offenen Arme der Eltern.

 

Die frühe Kirche hat in diesen Bildern vom Sturm auf dem See oder dem Gehen von Petrus auf dem Wasser sich selbst erkannt im Spannungsfeld von Vertrauen – Zumuten – Zutrauen.

 

Dieses Wort ermutigte die Menschen damals und ermutigt uns heute die lebensbejahende Botschaft Jesu zu bezeugen, zu verkünden, kurz: unter die Leute zu bringen.

 

Jesus meint uns persönlich:

 

Die Jungen unter uns, die nach der Schule mit Ausbildung und Studium irgendwo neu Fuß fassen – gehen lernen – müssen: Da braucht es Mut und Segen: „Habt Vertrauen!“, spricht Jesus, „wage dein Leben!“

 

Wer nach einem Streit mit dem Ehepartner einen Neuanfang machen will, muss sich trauen, den ersten Schritt zu wagen. Auch hier spricht Jesus: „Habt Vertrauen! Fürchtet euch nicht!“

 

Und wir alle kennen genügend Herausforderungen, in denen wir das Wort Jesu hören: „Habt Vertrauen; ich bin es; fürchtet euch nicht!“

 

Dieses ermutigende und herausfordernde Wort Jesu dürfen wir in die kommende Zeit hinein nachklingen lassen und mag uns weniger an den Seesturm denken lassen, als vielmehr an die immer wieder ersten Schritte in unserm Leben, die von Gottes Zu-Mutung begleitet sind.

 


Ludwig Sperrer

Pfarrer von St. Benno

 

 

(Foto: privat)