Jede Woche gibt es hier Gedanken zu einer Sonntagslesung zum Lesen - vorbereitet von einem*r Neuhauser Seelsorger*in.
Gott antwortete Salomo: „Ich werde deine Bitte erfüllen. Sieh, ich gebe dir ein so weises und verständiges Herz ...“
(1 Kön 3,12)
Bildquelle: Pixabay/Brett Jordan
Der junge König Salomo steht vor einer großen Aufgabe. Als Gott ihm einen Wunsch freistellt, bittet er nicht um Reichtum, Macht oder Erfolg. Er bittet um Weisheit, um ein hörendes und verständiges Herz. Gerade diese Bitte gefällt Gott, und Gott schenkt ihm, worum er gebeten hat.
Heute leben wir in einer Zeit, in der Wissen jederzeit verfügbar ist. Mit wenigen Klicks finden wir Antworten auf fast jede Frage. Doch Wissen allein macht noch nicht weise. Weisheit bedeutet mehr als Informationen zu sammeln. Sie hilft uns, das Wesentliche vom Unwesentlichen zu unterscheiden, verantwortungsvoll zu handeln und Entscheidungen zu treffen, die dem Leben dienen.
Die Worte aus dem ersten Buch der Könige laden uns ein, über unsere eigenen Bitten an Gott nachzudenken. Worum bitten wir in unserem Gebet? Oft stehen Sorgen, Wünsche und konkrete Anliegen im Vordergrund. Das ist verständlich und wichtig. Doch Salomo erinnert uns mit seiner Bitte daran: Ein weises Herz zu haben bedeutet nicht, auf alles eine Antwort zu wissen. Es bedeutet vielmehr, offen zu sein für Gottes Stimme und für die Menschen, die uns begegnen. Weisheit zeigt sich in Geduld, Verständnis und der Bereitschaft, andere ernst zu nehmen.
Salomos Worte sind auch heute eine Einladung an uns. Was würde geschehen, wenn wir Gott öfter um Weisheit bitten würden? Vielleicht würden wir gelassener urteilen, bewusster handeln und mit mehr Vertrauen in die Zukunft blicken. Wahre Weisheit wächst dort, wo der Mensch Gott vertraut und seinen Weg mit ihm geht.
Pater Terence Kaspar OCD
Pfarrvikar in St. Benno