"Himmelsgruß" - unser wöchentlicher Impuls


In Zeit der Gottesdienstbeschränkungen hatten wir einen wöchentlichen Hausgottesdienst. Auf Grund positiver Rückmeldungen, gibt es jetzt jede Woche Gedanken zu einer Sonntagslesung zum Lesen - vorbereitet von einem*r Neuhauser Seelsorger*in.


24./25. Oktober 2020 - Welches Gebot ist das Wichtigste?

In jener Zeit, als die Pharisäer hörten, dass Jesus die Sadduzäer zum Schweigen gebracht hatte, kamen sie am selben Ort zusammen.
Einer von ihnen, ein Gesetzeslehrer, wollte ihn versuchen und fragte ihn: Meister, welches Gebot im Gesetz ist das wichtigste?
Er antwortete ihm: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit deinem ganzen Denken.
Das ist das wichtigste und erste Gebot.
Ebenso wichtig ist das zweite:
Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.
An diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten.
  

 Bild: pixabay.com

Ein Gesetzeslehrer will Jesus testen – seine Rechtgläubigkeit auf die Probe stellen und fragt ihn: Meister, welches Gebot im Gesetz ist das wichtigste? Und Jesus gibt die Antwort, die seine Schriftkenntnisse und Rechtgläubigkeit unter Beweis stellt. Er zitiert aus dem Buch Deuteronomium und dem Buch Levitikus – also aus der jüdischen Tora – dem Gesetz für ein gelingendes Leben.
Jesus hat die Probe auf´s Exempel bestanden.


Aber: Gott lieben, meinen Nächsten lieben, mich selbst lieben. Das klingt so groß und irgendwie auch abstrakt. Und ich frage mich: kann man Liebe „anordnen“ – so wie derzeit unglaublich viele Dinge in meinem Leben angeordnet sind?  Maske tragen, Abstand halten, nicht mehr als 5 Leute treffen?


Mich spricht an, dass Jesus nicht kleinliche und haargenaue Vorschriften macht – er lässt einen weiten Spielraum für eigene Entscheidungen und Prioritäten. Immer muss ich mich bei dem, was ich tue und lasse aber fragen: entspreche ich damit dem Maßstab der Liebe? Gott gegenüber, dem anderen gegenüber und mir selbst gegenüber?

„Liebe, und tue, was du willst.“ Diesen Maßstab legte der heilige Augustinus an. Das Größte ist die Liebe, alles andere ist zweitrangig. Das Wort, das Augustinus verwendet, bedeutet nicht nur „lieben“, sondern auch „achten“, „wertschätzen“.

Vielleicht kann ich mit diesem Maßstab all die Dinge anschauen, die mir gerade „geboten“ sind und werden. Vielleicht verändert sich dadurch mein Blick und mein Tun und Lassen.

 

Schwester Sara Thiel

Pastoralreferentin in der Pfarrei St. Benno

 

(Foto: Privat)