"Himmelsgruß" - unser wöchentlicher Impuls


Jede Woche gibt es hier Gedanken zu einer Sonntagslesung zum Lesen - vorbereitet von einem*r Neuhauser Seelsorger*in.


25. September 2022

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bildquelle:pfarrbriefservice

„In jener Zeit sprach Jesus zu den Pharisäern: Es war einmal ein reicher Mann, der sich in Purpur und feines Leinen kleidete und Tag für Tag glanzvolle Feste feierte. Vor der Tür aber lag ein armer Mann namens Lazarus dessen Leib voller Geschwüre war. Er hätte gerne seinen Hunger mit dem gestillt, was vom Tisch des Reichen herunterfiel. Stattdessen kamen die Hunde und leckten an seinen Geschwüren. Es geschah aber: Der Arme starb und wurde von den Engeln in Abrahams Schoß getragen. Auch der Reiche starb und wurde begraben. In der Unterwelt, wo er qualvolle Schmerzen litt, blickte er auf und sah von Weitem Abraham und Lazarus in seinem Schoß. Da rief er: Vater Abraham, hab Erbarmen mit mir und schick Lazarus; er soll die Spitze seines Fingers ins Wasser tauchen und mir die Zunge kühlen, denn ich leide große Qual in diesem Feuer. Abraham erwiderte: Mein Kind, erinnere dich daran, dass du schon zu Lebzeiten deine Wohltaten erhalten hast, Lazarus dagegen nur Schlechtes. Jetzt wir er hier getröstet, du aber leidest große Qual. Außerdem ist zwischen uns und euch ein tiefer, unüberwindlicher Abgrund, sodass niemand von hier zu euch oder von dort zu uns kommen kann (…).“

(Lk 16, 19-26)

 

 

 

 

„Ich bin überzeugt, dass die Frage der Gerechtigkeit das eigentliche, jedenfalls das stärkste Argument für den Glauben an das ewige Leben ist.“ Dieser Satz stammt aus der lesenswerten Enzyklika „Spe salve“ des emittierten Papstes Benedikt XVI..

Im Gleichnis vom reichen Prasser und dem armen Lazarus geht es auch um den Missbrauch des Reichtums auf der einen Seite und um eine ausgleichende Gerechtigkeit in „Abrahams Schoß“ auf der anderen Seite.  Jesus erweist sich als großartiger Geschichtenerzähler, wenn er den Reichen anonym sein lässt, dem Armen aber einen Namen gibt: Lazarus, das heißt „Gott hilft“! Er macht damit klar, auf welcher Seite Gott steht. Der unüberwindliche Abgrund im Jenseits spiegelt den entsprechenden Abgrund im Diesseits, wo der Reiche das Elend vor seiner Tür schlicht ignoriert; im Jenseits aber wird deutlich, dass er eigentlich schon davon gewusst hat, er kennt sogar den Namen des Armen. Zuerst aber geht es Jesus mit der drastischen Geschichte um eine deutliche Warnung, nicht so zu handeln wie der Reiche im Gleichnis. Das Gleichnis ist keine Vertröstungsgeschichte, sondern eine Motivationsgeschichte für hier und jetzt.  Dennoch spielen das Jenseits und die Frage nach einer ausgleichenden Gerechtigkeit auch eine Rolle. Denn das Unrecht darf nicht das letzte Wort haben. Die „ignoranten Reichen“ dürfen nicht gleichermaßen „in Abrahams Schoß“ getragen werden wie die Notleidenden, als ob nichts gewesen wäre. Am Ende darf nicht alles gleich-gültig sein, was auf Erden ein Mensch getan oder nicht getan hat. Das Gleichnis ist somit ein Bild der Verantwortung im Hier und Jetzt wie auch der Hoffnung für die Zukurzgekommenen. Dann es wird immer ein Rest bleiben an versagter Liebe und an Ungerechtigkeit. Nur Gott allein kann für endgültige Gerechtigkeit sorgen. Papst Benedikt XVI. em. schreibt in „Spe salvi“: „Gott ist Gerechtigkeit. Aber in seiner Gerechtigkeit ist zugleich Gnade. Das wissen wir durch den Blick auf den gekreuzigten und auferstandenen Christus (…). Im Augenblick des Gerichts erfahren und empfangen wir dieses Übergewicht seiner Liebe.“ 

 

Dekan Wendelin Lechner

Pfarrer des Pfarrverbandes St. Clemens und St. Vinzenz

(Foto: Matthias Rößner)