"Himmelsgruß"  - unser wöchentlicher Impuls


Jede Woche gibt es hier Gedanken zu einer Sonntagslesung zum Lesen - vorbereitet von einem*r Neuhauser Seelsorger*in.


Sonntag, 23. Juni 2024 - Stille to go

„Jesus aber lag hinten im Boot auf einem Kissen und schlief.“                              (Mk 4,38)

 

 

Bildquelle: Peter Wiedemann

 


Heuer durfte ich eine Kleingruppe durch die „Exerzitien im Alltag“ begleiten. Dieser geistliche Weg ist geprägt von täglichen Impulsen und Körperübungen. Am Anfang geht es darum, Ort und Zeit für die Übungen zu finden. Darüber tauschten wir uns aus, am Begleitabend nach der ersten Woche. Erzählungen über verschiedene Gebetsorte in den Wohnungen machten die Runde. Ein Teilnehmer aber meinte: „Ich komme zu Hause nicht dazu. So mache ich meine Übungen unterwegs, täglich, in der S-Bahn.“ Eine Teilnehmerin ergänzte: „Und ich übe die Körperwahrnehmungen tagsüber mental, beim Warten an der Kasse zum Beispiel. Versuche es zumindest.“

 

Am Ende des Evangeliums von der Sturmstillung gebietet Jesus dem Wind und dem See: „Schweig, sei still!“ „Und der Wind legte sich und es trat völlige Stille ein.“ Doch Jesu Ruhe ist schon vorher anwesend, mitten im Sturm: In seinem Schlaf. Mitten im Auge des Sturms bildet Jesus die stille Mitte der Geschichte. Sein Haupt auf ein Ruhekissen gebettet.

 

 

Natürlich brauchen wir Zeiten und Orte, um uns in der Stille einzuüben. Auch Jesus zieht sich immer wieder in die Einsamkeit zurück. Gleichzeitig: Die eigentliche Bewährungsprobe des Ruhens findet wohl mitten im Alltag statt. In der Bahn. Beim Warten. Auch, wenn es einmal stürmisch zugeht. Solche Erfahrungen der „Stille to go“ wünsche ich uns. In den Worten des Komponisten John Cage: „Stille ist keine Sache von fehlenden Geräuschen. Stille ist eine Sache von Bewusstsein.“ Freilich bleibt diese Einsicht vermutlich ein lebenslanges Exerzitium. 

 

Ulrich Wandner

Pastoralreferent in St. Theresia